PC-Systemsicherung – persönliche Erfahrungen

Gestern hatte ich Zeit mich mit Alternativen bei der Systemsicherung zu beschäftigen.
Mit Systemsicherung meine ich die Sicherung des Betriebssystems d.h. Windows mit allen Treibern, Programmen und ihren Einstellungen. Diese Sachen werden üblicherweise als Image gesichert.

Mir ist schon mehrfach zu Ohren gekommen, dass einige Arztpraxen als Datensicherung über Nacht das ganze System mit einem Image-Programm sichern. Das ist in meinen Augen Ressourcenverschwendung, weil jeden Tag viel zu viel Datenmüll entsteht. Außerdem ist es umständlich – wenn auch nicht unmöglich – an einzelne Dateien später zu gelangen.

Deshalb achte ich bereits bei der Einrichtung auf eine möglichst saubere Trennung. Wenn der neue PC nur eine Festplatte mit einer Partition hat, wird diese Partition auf eine angemessene Größe verkleinert und der frei werdende Platz als Datenpartition eingerichtet. Häufig gibt es bereits physisch zwei Festplatten: eine SSD für das Betriebssystem und eine HD für Daten. Die zu Windows gehörenden persönlichen Ordner (Desktop, Dokumente, Bilder, Videos, usw.) bieten in ihren Eigenschaftsdialogen die Möglichkeit zum Verschieben auf die Datenpartition an.

Im Fall eines MEDISTAR-Rechners gibt es 3 Partitionen:
C: Betriebssystem
D: MEDISTAR und Oracle-Installation
E: Daten
C + D kommen auf die SSD und werden zusammen mit dem Image-Programm gesichert. So kann man auch MEDISTAR und Oracle zur Not (unabhängig von Windows) wiederherstellen.

Und nun zum eigentlichen Thema: Wie bzw. womit lässt sich die Systemsicherung am besten durchführen?

Ich habe jahrelang Acronis True Image benutzt und damit schon einige Desaster in den Griff bekommen. Mein Eindruck ist allerdings, dass das Programm über die Jahre nicht besser, sondern nur überladener und aufdringlicher wird. (Das kommt einem doch bekannt vor 😉!).

Vor ein paar Monaten hatte ich einen besonderen Fall: das neue OCT-Gerät kam im Bundle mit einer Workstation. Diese hatte zwei identische Festplatten, die als RAID eingerichtet waren. Mir gefiel das nicht, weil ich (1.) damit keine Erfahrungen habe und (2.) eine schnelle SSD fehlte – die ich zufällig übrig hatte. Neben anderen Problemen musste ich den Inhalt einer großen Partition auf eine deutlich kleinere Partition verschieben. Die Windows-Datenträgerverwaltung konnte das nicht. Ärgerlicherweise konnte Acronis True Image das auch nicht. Es gelang mir erst durch die Installation einer Testversion von EaseUS Partition Master.

Dann ist mir noch aufgefallen, dass Acronis True Image tatenlos zuschaut, wie die Secure Zone vollläuft und dem Anwender nur noch die Möglichkeit lässt, sie komplett zu löschen und neu anzulegen. Außerdem finde ich es überhaupt nicht einsichtig, warum ich ein Image in die Cloud schieben soll. Dass es mit Daten praktisch ist, ist mir natürlich klar.

Also habe ich mich durch die c’t-Artikel-Serie zum Thema c’tWIMage gelesen. Das ist eine kostenlose Möglichkeit der Imageerstellung, die geschickt Windows-Bordmittel nutzt. Sie agiert bei der Erstellung sehr langsam (über Nacht). Man muss im Ernstfall erst noch mal nachlesen, um zu versehen, was als nächstes zu tun ist – nicht intuitiv. Funktioniert aber ohne Zusatzprogramme, Dienste und PopUps. Für den professionellen Einsatz wünsche ich es mir doch etwas komfortabler.

Ich habe dann folgende Kandidaten ausprobiert: EaseUS Todo Backup aus Chengdu, AOMEI Backupper aus Singapur, Macrium Reflect aus Manchester und O&O DiskImage aus Berlin. Ich möchte ganz deutlich sagen, dass ich keinen objektiven Test durchgeführt habe! Es haben bei meiner Entscheidungsfindung ganz subjektive Faktoren eine Rolle gespielt. Mit O&O DiskImage gelang es mir nicht ein bootfähiges USB-Stick zu erstellen. Am Ende habe ich Macrium Reflect gekauft. Das Programm soll in der kommenden Version 8 »Automatic partition resizing« beherrschen.

Die Einstellungen sehen nun vor, dass an zwei verschiedenen Orten jeweils einmal im Monat ein Image gespeichert wird: zu Beginn eines Quartals ein Vollbackup und in den anderen Monaten ein inkrementelles. Ein Backup-Ort wird von der täglichen Datensicherung erfasst. (Zum Thema »tägliche Datensicherung« schreibe ich vielleicht mal einen eigenen Beitrag.)

Sehr praktisch finde ich den Tipp zu „How to Create a Macrium Reflect Rescue Partition“. In der schönen Anleitung fehlt nur der Hinweis, wie man anschließend den Laufwerksbuchstaben der Rescue Partition im Explorer ausblenden kann. Das gelingt mit einem kleinen Registry-Eingriff: Fügen Sie folgenden DWORD32-Wert hinzu, um den Laufwerksbuchstaben „Z“ auszublenden : HKLM\SOFTWARE\Microsoft\Windows\CurrentVersion\Policies\Explorer, NoDrives = 33554432.

So sieht also die neue Strategie aus. c’tWIMage kommt gegebenenfalls auch zum Einsatz – als zusätzliche Sicherung, einmal im Jahr!

Übrigens kommt einfachen Arbeitsplatzrechnern dieser Aufwand nicht zu teil. Bei einem Ausfall ist es weniger problematisch Windows neu zu installieren, vorausgesetzt man hat die wichtigsten Daten gesichert. Dazu gehört auch der Windows-Product-Key, der sich mit folgendem Powershell-Skript auslesen und in eine Textdatei speichern lässt. MEDISTAR-Anwender sollten auch an die sysconf.s denken (C:\Windows\SysWOW64\sysconf.s).

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Erwähnen könnte ich noch, dass ich immer ein Ersatz-Netzteil für einen Hardware-Ausfall in der Praxis liegen habe. Außerdem wechsle ich am Hauptrechner die SSD nach 5-6 Jahren aus. Sie kann dann in einem anderen Rechner weiter genutzt werden.

Ich würde mich freuen, über Ihre Erfahrungen in den Kommentaren zu lesen…

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